Königstein/Sächsische Schweiz, 26. Juni 2026 (tpr) – Erst China, jetzt Polen: Die Festung Königstein schickt ihre internationale Wanderausstellung erneut auf Reisen. Seit Freitag ist die Präsentation, die im vergangenen Jahr in der chinesischen Metropole Nanjing etwa 170.000 Besucher anzog, auf der Festung Silberberg, etwa 80 Kilometer südlich von Breslau, zu sehen. Sie wird dort in angepasster Form und erneut überarbeitet gezeigt. Die Schau macht europäische Festungsbaukunst zum Erlebnis – mit Filmen, Modellen, Kostümstationen und einem Angriff, der nie stattfand.
„Silberberg ist für unsere Wanderausstellung ein besonders passender Ort“, sagt André Thieme, Geschäftsführer der Festung Königstein. „Hier erzählt sie nicht nur die Geschichte des Königsteins, sondern macht im direkten Umfeld einer riesigen Bergfestung sichtbar, was diesen besonderen Festungstyp auszeichnete.“ Dazu zählten die exponierte Lage auf einem Gipfel, die Stärke der Verteidigung, eine autarke Versorgung und der Anspruch, nahezu uneinnehmbar zu sein. „Dass wir diese Verbindung gemeinsam mit unseren polnischen Partnern zeigen können, ist eine schöne Fortsetzung des freundschaftlichen und fachlichen Austauschs zwischen beiden Denkmälern“, so Thieme.
Die Festung Silberberg, oft als das „Schlesische Gibraltar“ bezeichnet, liegt auf mehreren Höhenzügen in über 650 Metern Höhe. Sie wurde zwischen 1765 und 1777 unter dem preußischen König Friedrich II. errichtet und gilt als die größte frühneuzeitliche Bergfestung Europas. Ihr Markenzeichen ist der mächtige Donjon, ein etwa 30 Meter hoher Komplex aus vier zylindrischen Türmen. Wie die Festung Königstein gehört auch Silberberg zu einem seltenen Typus im europäischen Wehrbau: einer hoch gelegenen, schwer angreifbaren Verteidigungsanlage, die ihre natürliche Lage nicht nur nutzte, sondern in ihre Bauweise einbezog. Jährlich besichtigen etwa 145.000 Menschen aus dem In- und Ausland die Sehenswürdigkeit.
Angriff, Artillerie und Selfie-Kostüme: Was Besucher in Silberberg erleben
Die Wanderausstellung der Festung Königstein führt in fünf Räumen durch die Geschichte des Königsteins – vom Mittelalter über den Barock und die Zeit Napoleons bis in die Gegenwart. Es ist eine Ausstellung zum Anfassen. „Statt empfindlicher Originale zeigen wir Repliken, Medien und robuste Mitmachangebote. Damit wird die Ausstellung nicht nur lebendig, sie eignet sich auch besonders gut als Wanderausstellung und ist klimatisch unproblematisch“, sagt Markus Bitterlich, Abteilungsleiter Museum der Festung Königstein und einer der drei Kuratoren der Ausstellung. Zusammen mit seinen wissenschaftlichen Kollegen Andrej Pawluschkow und Ingo Busse hat er die Schau vorbereitet.
Zu den Höhepunkten zählen unter anderem ein eigens angefertigtes Modell eines Depressionsgeschützes – eines speziell für hoch gelegene Bergfestungen entwickelten Geschütztyps – sowie ein nachgebildeter Fußmörser aus dem späten 16. Jahrhundert. Eine Medienstation veranschaulicht die Funktionsweise dieses Geschützes samt Laden, Einstellen des Winkels und der Flugbahn sowie des Abschusses. Die Ausstellungstexte sind auf Polnisch und Englisch verfasst. Für deutschsprachige Besucher liegt ein Textbuch bereit.
Wie ausgeklügelt das Verteidigungssystem der sächsischen Bergfestung war, erfahren Besucher im Film „Sturm auf den Königstein. Ein Angriff, der nie stattfand“, der seit Ende Mai auch auf der Festung Königstein zu sehen ist. Interessierte können außerdem einen Ritterhelm aufsetzen, die Waage Augusts des Starken ausprobieren oder die Figur des Schornsteinfegers Sebastian Abratzky durch einen Felskamin ziehen. An Foto-Stationen schlüpfen die Besucher in historisch nachempfundene Uniformen und Adelskostüme.
Deutsch-polnische Museumspartnerschaft: Wie zwei Festungen voneinander lernen
Beide Festungsmuseen sind Teil der Europäischen Kulturroute „Forte Cultura“ und stehen bereits seit mehreren Jahren in engem Kontakt. „Die Festung Silberberg befindet sich in einer Phase, in der Restaurierung, Forschung und museale Erschließung in großem Umfang vorangetrieben werden – ein Prozess, den die Festung Königstein seit den 1990er Jahren in vielen Bereichen selbst durchlaufen hat“, erklärt Markus Bitterlich. „Um in diesen komplexen Prozessen voneinander zu lernen, kam von den polnischen Kollegen die Anregung zum Austausch.“ Weitere gemeinsame Projekte seien bereits in Planung, sodass sich künftig auch die Festung Silberberg auf dem Königstein präsentieren werde.
Bedeutung hat die Zusammenarbeit auch für den deutsch-polnischen Kulturtourismus. „Wer den Königstein in Silberberg kennenlernt, entdeckt vielleicht sein nächstes Reiseziel in Sachsen“, sagt Festungschef André Thieme. „Und umgekehrt möchten wir unseren Gästen auf dem Königstein künftig Lust auf diese imposante Festung in Niederschlesien machen. Kulturreisen enden nicht an Grenzen – sie beginnen oft genau dort.“
Königsteiner Delegation begleitet Aufbau und Eröffnung
Die feierliche Eröffnung der Ausstellung am Freitagmittag begleiten Festungschef André Thieme, Markus Bitterlich und Museumspädagogin Maria Pretzschner sowie weitere Mitarbeiter der Festung Königstein. Mit dabei sein werden Vertreter des polnischen Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe sowie der polnischen Landesdenkmalpflege. ■
Offizielle Website Festung Silberberg: www.forty.pl
Festung Königstein: www.festung-koenigstein.de
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Über die Festung Königstein:
Die Festung Königstein ist eine der interessantesten Bergfestungen Europas und gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Sachsen. Eingebettet in die bizarre Felslandschaft des Elbsandsteingebirges thront weithin sichtbar die einst unbezwingbare Wehranlage 247 Meter über dem Elbtal. Das 9,5 Hektar große Felsplateau ist mit seinem einzigartigen Ensemble aus mehr als 50 imposanten Bauwerken verschiedener Epochen und seiner fast 800-jährigen, in verschiedenen Ausstellungen erzählten Geschichte ein Magnet für jährlich Hunderttausende Besucher aus der ganzen Welt.