Thüringer Heilbäderverband fordert Kurbeitrag für Geschäftsreisende

Beim 36. Thüringer Bädertag in Bad Langensalza tauschten sich die Thüringer Kurorte und die Thüringer Landespolitik über die neue Tourismusstrategie und die gesundheitstouristische Ausrichtung des Freistaates aus. Im Fokus stand auch die Reform des Kommunalen Abgabengesetzes.

Matthias Strejc, Präsident des Thüringer Heilbäderverbandes e.V., begrüßte die Teilnehmer des 36. Thüringer Bädertages in Bad Langensalza

Bad Sulza/Bad Langensalza, 14. September 2026 (tpr) – Bis 2028 sind in Thüringens Heilbädern und Kurorten Investitionen von rund 160 Millionen Euro geplant. Wie sich die Vorhaben wirtschaftlich tragfähig umsetzen und betreiben lassen, stand am Montag im Mittelpunkt des 36. Thüringer Bädertages im Schwefel-Sole-Heilbad Bad Langensalza. Dabei ging es auch um die Einbindung privater Investoren sowie um die Frage, welchen Beitrag Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zur Zukunftsfähigkeit der Kurorte leisten können. Die etwa 70 Teilnehmer kamen mit Gesundheitsstaatssekretärin Tina Rudolph, Innenstaatssekretär Andreas Bausewein sowie Wirtschaftsstaatssekretär Marcus Malsch ins Gespräch. Eingeladen hatte der Thüringer Heilbäderverband (THBV).

Ein zentrales Thema war die Frage, wie mehr private Investoren für Thüringens Heilbäder und Kurorte gewonnen werden können. „Die Verbindung aus Kurtradition, natürlicher Heilmittelvielfalt und modernen Therapie- und Erholungsangeboten ist unser Wettbewerbsvorteil. Doch nur durch eine Kombination von öffentlichen und privaten Investitionen in die Kurinfrastruktur können wir unsere starke Position auch weiterhin behaupten“, sagt Matthias Strejc, Präsident des Thüringer Heilbäderverbandes. Private Geldgeber würden nicht nur zusätzliches Kapital, sondern auch neue unternehmerische Impulse einbringen. „Deshalb brauchen wir jetzt verlässliche Rahmenbedingungen für Investoren“, so Strejc.

Dazu gehört aus Sicht des THBV auch eine zeitgemäße Regelung beim Kurbeitrag. Der Verband fordert, dass künftig auch Geschäftsreisende den Kurbeitrag entrichten. Denn auch sie nutzen Kurparks, Thermen oder kulturelle Veranstaltungen – etwa abends oder in ihrer freien Zeit während des Aufenthalts. Die geplante Reform des Thüringer Kommunalabgabengesetzes (ThürKAG) soll dafür die rechtliche Grundlage schaffen. „Wir hoffen auf eine zügige Umsetzung der Reform. Sie stellt die Finanzierung der kurörtlichen Infrastruktur endlich auf eine breitere und verlässlichere Grundlage“, sagt Strejc.

Mutmacher zeigen Wege für private Investitionen

Bei der „Mutmacherrunde“ erhielten die Teilnehmenden des Thüringer Bädertages Einblicke in Erfolgskonzepte privater Investitionen in Kurorten. Falk Ortlepp vom WOMO-Bahnhof Friedrichroda, Doah Kharbeiti vom Hotel „Das Goethebrunnen“ in Bad Berka, Bad Berkas Bürgermeister Michael Jahn und Kathrin Pabst von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) zeigten anhand ihrer Erfahrungen, welche Voraussetzungen Unternehmer in Kurorten benötigen und wie das Miteinander privater Interessen und kommunaler Verantwortung gelingt.

Kurorte verzeichnen leichtes Plus an Übernachtungen

Der Blick in die Statistik zeigt die anhaltend hohe touristische Bedeutung der Heilbäder und Kurorte für den Freistaat. Im ersten Halbjahr 2026 verbuchten die 17 Mitgliedsorte des 

Verbands insgesamt 1.301.691 Übernachtungen: ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit entfielen von Januar bis Juni 29 Prozent aller Übernachtungen in Thüringen auf einen Kurort. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Kurorten lag bei 5,2 Tagen, begünstigt vor allem durch die längeren Aufenthalte von Kurgästen. Auch die Auslastung der vorhandenen Beherbergungskapazitäten lag mit 52,3 Prozent auf hohem Niveau.

Wie Künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag erleichtert

Wachstumschancen durch Künstliche Intelligenz (KI) nutzen und damit Angebote und Strukturen zukunftsfest machen – dieser Aufgabe wollen sich die Kurorte jetzt stellen. Eine Umfrage im Vorfeld des Bädertages zeigt, wie und wo ChatGPT, Claude und Co. bereits im Einsatz sind. Am häufigsten nutzen die Kurorte demnach die Werkzeuge für Textarbeit, Recherche oder Marketingmaßnahmen. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass die Entwicklung noch am Anfang steht. Bei der Erstellung von Therapieplänen und in der Gästekommunikation zum Beispiel soll die KI künftig eine noch größere Rolle spielen.

Wie sich ein echter Mehrwert für die tägliche Arbeit schaffen lässt, zeigte beim Bädertag Tourismus-Coach Matthias Burzinski von destinetCHANGE aus Bonn: „KI ist kein Allheilmittel im Kurbetrieb, aber sie kann die Verwaltung entlasten, den Gästeservice verbessern oder den Energieverbrauch im Bäderbetrieb senken.“ Gleichzeitig brauche es einen kritischen Blick dafür, wo persönliche Beratung und menschliche Begegnung unersetzlich seien.

Der Thüringer Bädertag wird seit 1991 einmal im Jahr an wechselnden Orten ausgerichtet. Er ist ein Forum für den fachlichen Austausch der Branche und für die Diskussion über zukünftige Herausforderungen. Der nächste Bädertag findet 2027 in Bad Lobenstein statt. ■

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Über den Thüringer Heilbäderverband e.V.
Der im Jahr 1991 gegründete Thüringer Heilbäderverband e.V. (THBV) ist die landesweite Interessenvertretung der 17 prädikatisierten Heilbäder und Kurorte in Thüringen. Seine Aufgabe ist es, seine Mitglieder gesellschafts-, sozial- und wirtschaftspolitisch zu unterstützen und für Gesundheitstourismus und Kuren in Thüringen zu werben. Die Orte müssen laut Thüringer Kurortgesetz natürliche Heilmittel wie Sole, Heilwasser, Moor oder heilendes Klima aufweisen, anerkannte Heilverfahren wie die Kneipptherapie anwenden und einen „artgemäßen Kurortcharakter“ nachweisen. Zu den Mitgliedern des THBV gehören Bad Berka, Bad Colberg, Bad Frankenhausen, Bad Klosterlausnitz, Bad Langensalza, Bad Liebenstein, Bad Lobenstein, Bad Salzungen, Bad Sulza, Bad Tabarz, Bad Tennstedt, Friedrichroda inkl. Finsterbergen, Heilbad Heiligenstadt, Masserberg, Neustadt/Harz, Saalfeld und Stützerbach.