Senftenberg, 18. August 2025 (tpr) – Mit dem Tretboot die mystischen Katakomben eines stillgelegten Walzwerks erkunden, in einer ehemaligen Kachelofenfabrik mit eigenen Händen Kunstvolles aus Ton schaffen oder in einer historischen Glashütte Glasblasen, Schmieden und Bogenschießen: In Brandenburg wird Industriekultur zum handfesten Abenteuer für die ganze Familie. Fünf Ausflugsideen für die Herbstferien – und darüber hinaus.
Barnimer Land: Vom Hebewerk ins Hexenhaus
Dichte Wälder, klare Seen und idyllische Radwege: Das Barnimer Land ist eine grüne Oase vor den Toren Berlins. Auch spannende Relikte des Industriezeitalters finden sich in der Region, darunter eines der faszinierendsten technischen Denkmäler Deutschlands: das Alte Schiffshebewerk Niederfinow. Schiffe werden hier seit 1934 in einem riesigen Wasserbecken fast 40 Meter gehoben und gesenkt. Führungen und Besucherplattformen bieten beeindruckende Ein- und Ausblicke. Höhepunkt ist eine Schifffahrt durch das Hebewerk. Direkt neben dem Denkmal wurde 2022 das modernste Schiffshebewerk Europas eingeweiht. Das kraftvolle Duo zeigt, welche Bedeutung der Oder-Havel-Kanal bis heute als Transportweg hat.
Traditionell wird zu Halloween am 31. Oktober das „Krafthaus“ an den Schiffshebewerken Niederfinow wieder zur Attraktion für mutige Kinder. Die Maschinenhalle mit ihren beeindruckenden historischen Dieselgeneratoren wird schaurig-schön dekoriert. Kostümwettbewerbe, Kulinarisches, Lagerfeuer, Musik und mehr laden Groß und Klein ein, Industriekultur einmal ganz anders zu erleben. Beginn 17 Uhr, Eintritt frei.
Schiffshebewerk Niederfinow
Hebewerkstraße 70a
16248 Niederfinow
Ganzjährig geöffnet. Täglich Führungen und Fahrgastschifffahrten.
www.schiffshebewerk-niederfinow.com
Eine weitere Landmarke aus der Ära der rauchenden Schlote in Brandenburg steht zwölf Kilometer weiter östlich auf dem Gelände eines ehemaligen Eisenwalzwerkes in Eberswalde. Der imposante Montage-Eberkran aus dem Jahr 1953 kann bis zur Besucherplattform in 30 Metern Höhe bestiegen werden. Der Gigant ist Blickfang und Hauptattraktion des heute hier befindlichen Familiengartens Eberswalde. Das Konzept des für die 2. Brandenburgische Landesgartenschau 2002 geschaffenen Areals ist außergewöhnlich: Die historischen Industrieanlagen sind eingebettet in einen 17 Hektar großen Freizeit- und Erlebnispark mit fantasievoll gestalteten Märchen- und Abenteuerwelten. Architektonische Zeitzeugen sind das Alte Walzwerk mit seiner klassizistischen Fassade und das Neue Walzwerk mit dem erhaltenen großen Schwungrad der Dampfmaschine. Buchbare Führungen geben tieferen Einblick in die Industriegeschichte des Standortes, die im 18. Jahrhundert mit der Ansiedlung von Messer- und Scherenschmieden begann.
Der Familiengarten Eberswalde ist vor der Winterpause noch bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Highlights sind das Tretbootfahren durch die unterirdischen Betriebskanäle, Klettern im Zauberschloss und Erkundung des Baba-Jaga-Hexenhauses. Halloween wird hier bereits am 30. Oktober gefeiert – mit Gruselwanderungen, Zauberwesen und vielem mehr.
Familiengarten Eberswalde
Am Alten Walzwerk 1
16227 Eberswalde
April bis Oktober, tägl. 10–18 Uhr
www.familiengarten-eberswalde.de
Ruppiner Seenland: Vom Ton zum Kunstwerk
Seen, Flüsse und Kanäle: Das Ruppiner Seenland im Nordwesten Brandenburgs ist eine der wasserreichsten Regionen Deutschlands – und beliebt bei aktiven, naturverbundenen Familien. Die Industriegeschichte der Region beginnt mit dem Fund reicher Tonvorkommen. Diese ermöglichen zwei bedeutende Produktionsstandorte. Bei Zehdenick entsteht eine der damals größten Ziegeleien Europas. Heute befindet sich hier mit dem Ziegeleipark Mildenberg eine der populärsten Industriekulturstätten des Landes. Das Museum erzählt mit zahlreichen historischen Produktions- und Werkstätten von der Entwicklung der Ziegelindustrie in der Region. Der weitläufige Erlebnispark lädt mit Abenteuerspielwiese, Wasserspielplatz, Schienenfahrrad und mehr zum Toben und Erkunden ein. Besucher können hier sogar eigene Ziegel streichen. Noch bis 2. November ist der Park täglich geöffnet. Dann ist Winterpause.
Als Lokführer eine echte Feldbahn fahren: Das können Ferienkinder ab 1,30 Meter Körpergröße im Zeitraum vom 13. bis 29. Oktober erleben. Dabei erwerben sie den Ziegeleibahn-Führerschein mit einem Grundkurs im Anfahren, Bremsen und Weichen stellen. Infos und Anmeldung unter www.ziegeleipark.de
Ziegeleipark Mildenberg
Ziegelei 10
16792 Zehdenick (OT Mildenberg)
www.ziegeleipark.de
Eine weitere wichtige Industrieansiedlung entstand in der Stadt Velten. Hier erzählt das Ofen- und Keramikmuseum Velten von der rasanten Entwicklung eines kleinen Ackerdörfchens zu Deutschlands Kachelofen-Metropole Nummer 1. Wo sich Anfang des 19. Jahrhunderts noch Bauernhöfe um den Anger scharrten, prägten später mehr als 160 Fabrikschlote das Stadtbild! Den Spuren der Vergangenheit können Interessierte zu Fuß auf der Töpper- oder per Rad auf der Entdeckertour folgen. Im historischen Bahnhof lädt ein gemütliches Café zur Einkehr. Und in der Alten Feuerwache zeigt Töpfermeisterin Manuela Malenz wie lebendig das Keramikhandwerk bis heute in Velten ist.
Familienhighlight in der Herbstferienzeit im Ofen- und Keramikmuseum ist die Tonentdecker-Werkstatt. Kinder ab fünf Jahren können hier das vielseitige Material kennenlernen und selbst kleine Kunstwerke formen. Termine: 22. Oktober, 15 Uhr, 25. Oktober, 11 Uhr, 29. Oktober, 15 Uhr und nach Vereinbarung.
Ofen- und Keramikmuseum Velten
Wilhelmstraße 32
16727 Velten
Di–So, 10–17 Uhr
www.okmhb.de
Fläming: Glasblasen in der Glashütte
Mittelalterliche Feldsteinkirchen, lebendige Handwerkstraditionen, naturnahe Wanderwege und Europas längstes asphaltiertes Streckennetz für Skater, Radler und Handbiker: Der Fläming südlich von Berlin ist ein Eldorado für aktive Entdecker. Nach Norden wird die Region durch das Baruther Urstromtal begrenzt. Hier, etwa 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, befindet sich, umgeben von Wald und Feldern, eine der romantischsten Industriekulturstätten Brandenburgs: die Baruther Glashütte.
Im 19. Jahrhundert befand sich hier die damals bedeutendste Glasfabrik Brandenburgs. Lampenschirme aus Milchglas gingen in die ganze Welt, vor allem jedoch in die Boomtown Berlin. Kulturvereine und Privatpersonen engagieren sich für die Wiederbelebung des denkmalgeschützten Ensembles. Händler und Handwerker wohnen und arbeiten in alten Fachwerkhäusern und machen Baruth zu einem Ort der Kreativität.
In der Herbstferienzeit und darüber hinaus bietet die Baruther Glashütte vielfältige Kreativ- und Erlebnisangebote: vom Bogenschießen über Filzen und Gestalten von Glasschmuck und Mosaiken bis zu Töpfer-, Schmiede- und Glasmacherkursen. Zum gemütlichen Schmaus am Glasofen laden am 11. Oktober und 8. November die Hüttenabende.
Termine und Anmeldung über baruther-glashuette.de.
Museum und Glasstudio Baruther Glashütte
Hüttenweg 20
15837 Baruth/Mark
Di–So, 10–17 Uhr
www.baruther-glashuette.de ■