Königstein/Sächsische Schweiz, 28. September 2026 (tpr) – Burgkapelle, Klosterkirche, Garnisonskirche, Brauhaus, Pulverlager: Die Garnisonskirche St. Georg auf der Festung Königstein blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Heute gehört das kleine Gotteshaus zur evangelischen Kirchgemeinde Königstein und wird für Gottesdienste, Trauungen und Orgelkonzerte genutzt. Zum 350. Kirchweihjubiläum in diesem Jahr wird der historische Kirchenraum von Donnerstag, 1., bis Sonntag, 4. Oktober, zum Mittelpunkt eines viertägigen Festprogramms mit Orgel- und Weltmusik, Führungen, einem Fachvortrag und Mitmachaktionen für Familien.
„Das 350-jährige Jubiläum bietet die Gelegenheit, die Garnisonskirche als historischen, aber auch als lebendigen Kultur- und Erinnerungsort zu würdigen“, sagt André Thieme, Geschäftsführer der Festung Königstein. „Wir möchten ihre Geschichte erzählen, Architektur und Musik erlebbar machen und Besucher einladen, diesen außergewöhnlichen Ort neu zu entdecken.“
Das Gotteshaus wird um das Jahr 1200 als spätromanische Burgkapelle errichtet. Etwa 300 Jahre danach nutzen Cölestinermönche sie als Klosterkirche. Später wird das Gebäude zweckentfremdet und dient für kurze Zeit als Brauhaus und mit dem Ausbau des Königsteins zur Festung zunächst als Pulvermagazin. Erst im Jahr 1676 erfolgt die Weihe als St.-Georgs-Kapelle – gewidmet dem Schutzpatron der Soldaten, dem heiligen Georg. Nach Zerstörungen in der Nachkriegszeit wird sie in den 1990er-Jahren zusammen mit dem Glockenstuhl umfassend saniert, mit einer neuen Orgel von Jehmlich Orgelbau Dresden ausgestattet und im Jahr 2000 wieder in Dienst gestellt.
Donnerstag und Freitag: Festlicher Auftakt an der Jehmlich-Orgel
Zum Auftakt des Kirchweihjubiläums am Donnerstag und Freitag, jeweils von 12 bis 16:15 Uhr, erklingt die Jehmlich-Orgel mit ihrem ungewöhnlich breiten Klangspektrum aus 16 Registern. An den Manualen sitzt am Donnerstag der renommierte Organist und Musikwissenschaftler Felix Friedrich, ehemals Schlossorganist im thüringischen Altenburg und Mitwirkender bei zahlreichen internationalen Musikfestspielen. Auf dem Programm stehen Werke von Renaissance bis Frühbarock, unter anderem von Orlando di Lasso (1532–1594), Girolamo Frescobaldi (1583–1643) und Johann Jakob Froberger (1616–1667). Am Freitag setzt der Thüringer Kirchenmusiker Lukas Klöppel das Programm fort, unter anderem mit Werken von Samuel Scheidt (1587–1654), Georg Muffat (1653–1704) und Johann Pachelbel (1653–1706).
Am Freitag um 14:30 Uhr nimmt Markus Bitterlich, Leiter der Abteilung Museum und Vermittlung der Festung Königstein, Interessierte in einem Fachvortrag mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Kapelle. „Die Garnisonskirche St. Georg ist nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern auch ein außergewöhnlicher Geschichtsspeicher“, so Bitterlich. „Mittelalterliche Spuren, Jahrhunderte der kirchlichen Nutzung, Militärgeschichte, Zerstörung und Wiederaufbau lassen sich hier unmittelbar am Gebäude nachvollziehen.“ Darüber hinaus präsentiert der Wissenschaftler neue Erkenntnisse aus Archivrecherchen und den aktuellen Forschungsstand zum Baudenkmal. Der Vortrag findet in der Hornkasematte statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Sonnabend und Sonntag: Prozession, Führungen und Mitmachprogramme
Am Sonnabend feiern geladene Gäste einen Jubiläumsgottesdienst. Besucher der Festung können zuvor, um 10:20 Uhr, die Prozession mit Trompeten und Salutschüssen auf dem Kirchvorplatz miterleben. Ab 11 Uhr starten Führungen und Mitmachprogramme zur Orgel und zur Geschichte der Kapelle. Tickets für die Führungen sind im Brunnenhaus erhältlich.
Für einen musikalischen Kontrast sorgt am Sonnabend der Dresdner Weltmusikchor „Die Blau- und Grüntöne“. Unter der Leitung von Martin Andersson präsentiert das Ensemble mehrmals am Tag und an verschiedenen Orten der Festung Lieder in unterschiedlichen Sprachen und lädt zum Mitsingen ein.
Für Kinder öffnet an diesem Tag von 12 bis 16 Uhr das Festungsatelier in der Magdalenenburg. Unter Anleitung können sie Traumfänger aus Naturmaterialien gestalten. Informations- und Mitmachangebote gibt es zudem von der Manufaktur Herrnhuter Sterne und dem Landfrauenverband Müglitztal.
Zum Abschluss am Sonntag sind Besucher zur individuellen Erkundung der Kirche sowie zu Ruhe und Besinnung eingeladen. Von 11 bis 16 Uhr gibt es zudem erneut thematische Führungen und Mitmachprogramme zur Orgel und zur Geschichte der Kapelle.
Das vollständige Programm ist unter www.festung-koenigstein.de/kirchweihe zu finden. Bis auf die Führungen sind alle Angebote im regulären Festungseintritt enthalten. Die Festung ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet. ■
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Über die Festung Königstein:
Die Festung Königstein zählt zu den bedeutendsten Bergfestungen Europas und zu den wichtigsten Kulturzielen in Sachsen. 247 Meter über dem Elbtal erhebt sich die einst unbezwingbare Wehranlage auf einem fast 100.000 Quadratmeter großen Felsplateau eines Tafelbergs in der Sächsischen Schweiz. Das Kulturdenkmal umfasst mehr als 50 ober- und unterirdische Bauwerke aus über vier Jahrhunderten Festungsarchitektur. In interaktiven Ausstellungen und mittels immersiver Erlebnisse, Veranstaltungen und digitaler Angebote vermittelt die Bergfestung ihre rund 800-jährige Geschichte anschaulich, vielfältig und inklusiv. Die Festung Königstein besuchen jährlich mehrere Hunderttausend Gäste aus aller Welt. www.festung-koenigstein.de